In der aktuellen Saison hatten die Nürtinger kein Losglück. Alle weiter entfernten Spielorte wurden uns als Auswärtsspiele zugelost. So hieß es, früh aufzustehen, wenn wir rechtzeitig in das schöne Tettnang gelangen wollten. Ausgerechnet Tettnang, gegen dessen Mannschaft wir in den vergangenen Jahren nicht besonders gut ausgesehen hatten. Aber diesmal sollte unsere Stunde schlagen.
Es sollte bereits angenehm starten. Die Tettnanger mussten auf einen wichtigen Stammspieler verzichten. Das brachte zwar sicherlich manche Vorbereitung durcheinander, aber die Nürtinger ließen sich nicht davon irritieren. Schon nach kurzer Zeit zeichneten sich erste Vorteile an den Brettern von Sascha Mareck, Michael Doll und Soroush Wadiei ab. Während es Sascha gelang, einen gegnerischen Läufer komplett vom Spiel auszuschließen, hatten Michael und Soroush durch aggressives Eröffnungsspiel bereits eine gefährliche Initiative entwickelt.
Doch für den ersten Paukenschlag sollte Bernhard Weigand sorgen. Nachdem seine Gegnerin unerwartet sein Remisangebot in wohl ausgeglichener Stellung abgelehnt hatte, sah sie sich genötigt, Material zu opfern, um Zugang zu Bernhards König zu finden. Das Ergebnis, ein Läuferpaar für Bernhard gegen einen Turm, war allerdings eine zu hohe Investition. Bernhard konnte den Angriff abwehren und den Vorteil sicher nach Hause bringen.
In der Zwischenzeit sah es an allen Brettern bis auf die von Klaus-Dieter Templin und Friedrich Seischab schon sehr gut aus. Klaus hatte eine seltene Eröffnungsvariante mit einer suboptimalen Gegenvariante gekontert und stand positionell unter starkem Druck. Friedrich stand unter leichtem Endspieldruck, hatte dafür aber das Läuferpaar als Ausgleich. Im Gegenzug hatten sowohl Claudius Mehne mit einer angenehmen Isolani-Stellung als auch Abdulhamit Gündogdu, mit feinen Nadelstichen auf den dunklen Feldern, eine deutlich angenehmere Stellung erreicht.
Man möge dem Berichterstatter verzeihen. Während ich damit beschäftigt war, mit einem falschen Plan meine Stellung zu ruinieren und in Zeitnot glücklicherweise das Remis zu halten, ging es an den anderen Brettern plötzlich Knall auf Fall zu Ende. Michael und Soroush konnten ihre Gegner taktisch überrennen und wichtige Punkte für den Mannschaftssieg sichern. Friedrich konnte durch geschicktes Manövrieren seine Stellung bequem ins Remis abwickeln, und auch Klaus konnte dem Druck widerstehen und durch zähe Verteidigung ausgleichen. Als Sahnehäubchen obendrauf schaffte es Claudius, durch einen Doppelangriff wichtige Bauern und damit auch das Endspiel zu gewinnen.
Abschließend konnte Abdul seine Drohungen auf den dunklen Feldern mit einem Angriff auf den König kombinieren, weswegen der Gegner entscheidend Material geben musste. Mit einem Verzweiflungsangriff versuchte dieser noch, Gegenspiel zu generieren, aber ein Mehrturm ist dann doch zu viel Material bei getauschten Damen. Somit konnte Abdul mit der meisterhaft geführten Partie des Tages den schönen Schlusspunkt eines spannenden Matches zum 6,5:1,5-Sieg setzen.
Mit der Qualität der Partien können die Nürtinger trotz der langen Anfahrt zufrieden sein. Sollte das Niveau so gehalten werden, ist sicherlich zumindest ein Platz im oberen Tabellendrittel drin. Vor allem, nachdem der Tabellenführer Ulm bereits Federn lassen musste. Zu hoffen bleibt, dass sich der Trend gegen Göppingen am 15.11. so fortsetzen lässt. (SM)
Verbandsliga
SK Markdorf – SK Wernau 2,0:6,0
SG Donautal Tuttlingen – Köki Hohentübingen 4,0:4,0
SV Jedesheim – SV Rangendingen 3,0:5,0
SF Göppingen – SC Weiße Dame Ulm 4,0:4,0
SC Tettnang – SV Nürtingen 1,5:6,5













