Schach boomt – und der SV Nürtingen ist Teil der Erfolgsgeschichte

Das königliche Spiel erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Turniere zeigen Rekordbeteiligungen, Online-Plattformen wie Chess.com oder Lichess melden historische Zugriffszahlen. Schach ist plötzlich überall: in Schulen, in sozialen Medien, in Streaming-Formaten – und natürlich in den Vereinen vor Ort. Zahlreiche Medien berichteten kürzlich über diesen Trend.

Foto: Klaus TemplinJugendschach in Nürtingen

Der Deutsche Schachbund wächst

Der Deutsche Schachbund steht kurz davor, die 100.000-Marke bei den Mitgliederzahlen zu überschreiten, sagte Paul Meyer-Dunker, der seit Mai 2026 neuer DSB-Präsident ist, der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Elbstadt richtete erst kürzlich den Schachkongress mit rund 1000 Spielern aus, an dem der Berichterstattter selbst beim Turnier der Deutschen Senioren Einzelmeisterschaft teilnahm.

Der Spitzenbereich so stark wie nie

Deutschland ist auch im Spitzenbereich bei den Nationalmannschaften so stark wie seit langem nicht mehr. Das Team, in dem alle Spieler in den Top 100 der Welt zu finden sind, hat gute Chancen bei der Schacholympiade im September im Usbekistan um eine Medaille zu kämpfen.

Nürtingen gehört zu den Großvereinen im DSB

Auch der SV Nürtingen wächst durch diesen Trend, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, und hat bereits mehr als 100 Mitglieder. Damit gehört der SVN zu den Großvereinen im Deutschen Schachbund. Das stellt die Verantwortlichen vor entsprechende Herausforderungen, denn für alle Neuzugänge soll ein dem schachlichen Niveau entsprechendes Trainings- und Spielangebot stehen. So hat der Verein in der abgelaufenen Saison sechs Kinder- und Jugendgruppen am Freitagnachmittag mit eben so vielen Trainern betreut. Wie die neuen Trainingsgruppen im Jahr 2026-27 gestaltet werden, wird im September zum Ende der Schulferien vorgestellt.

„Schach lernen“ im Kinderferienprogramm

Mit einem abwechslungsreichen und kindgerechten Programm beteiligte sich der SV Nürtingen auch in diesem Jahr am Nürtinger Kinderferienprogramm. An einem Vormittag in der ersten Augustwoche verwandelte sich der Trainingsraum des Vereins in eine kleine Schacharena, in der die Kinder spielerisch an zentrale Elemente des königlichen Spiels herangeführt wurden.

Mattsetzen mit Dame und König

Nachdem die Figuren vorgestellt wurden, stand zu Beginn ein Klassiker des Schachtrainings auf dem Programm: das Mattsetzen mit Dame und König. Die Kinder lernten Schritt für Schritt, wie man mit diesen beiden Figuren systematisch den gegnerischen König einschnürt und schließlich mattsetzt. Einige hatten schnell Erfolgserlebnisse und merkten, dass Schach nicht nur aus komplizierten Stellungen besteht, sondern auch aus klaren, gut erlernbaren Techniken.

Die goldenen Eröffnungsregeln

Anschließend ging es um die goldenen Eröffnungsregeln, die jeder Schachspieler kennen sollte. Mithilfe eines kurzen Videos des weltbesten Spielers wurde anschaulich erklärt, warum die Entwicklung der Figuren, die Kontrolle des Zentrums und die Königssicherheit so wichtig sind. Die Kinder verfolgten Magnus Carlsen im Video mit großer Aufmerksamkeit und versuchten danach die gezeigten Ideen direkt in ihren eigenen Partien auszuprobieren. Natürlich klappte das noch nicht so richtig, aber es wurde dabei mit allen Steinen gespielt und die Mischung aus Anleitung und freiem Spiel sorgte für eine lebendige Atmosphäre.

Frage: Darf der König geschlagen werden? Wer weiß die Antwort.
Foto: Klaus Templin

Übungsspiel: Dame gegen 8 Bauern

Zum Abschluss wartete eine besondere Herausforderung: Dame gegen acht Bauern. In dieser Übung mussten die Kinder mit der Dame versuchen die Bauern zu schlagen und gleichzeitig aber die vorrückenden Bauern aufhalten – oder als Gegner mit den Bauern eine Umwandlung erreichen. Die Aufgabe machte allen sichtbar Spaß und zeigte, wie spannend selbst scheinbar einfache Stellungen sein können.

Ein gelungener Vormittag

Der Schachverein blickt auf einen sehr gelungenen Vormittag zurück. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei, lernten viel Neues und konnten erleben, wie vielfältig und kreativ das königliche Spiel sein kann. Der Verein freut sich bereits auf den nächsten Tag im Kinderferienprogramm am Ende der Sommerferien und darauf, mit vielen Kinder wieder einen abwechslungsreichen Vormittag zu gestalten.

Hinter den Kulissen: So arbeitet der SV Nürtingen

Auch wenn auf den Brettern gerade Ruhe herrscht – im Hintergrund läuft beim SV Nürtingen die entscheidende Arbeit für die kommende Saison. Vieles davon sieht man nicht, aber ohne diese Aufgaben gäbe es keinen funktionierenden Verein.

Mannschaften und Termine

In der Sommerpause werden die Weichen gestellt: Aufstellung der Mannschaften und Benennung der Mannschaftsführer. Klärung von Stamm- und Ersatzspieler und Mitglieder, die sich noch nicht zurück gemeldet haben. Zum Schluss wird noch der Terminplan mit allen externen und internen Turnieren erstellt. Hier entsteht die Struktur, auf der die ganze Saison steht.

Training und Jugend

Vorbereitung für den Herbst mit neuen Trainingsgruppen für Kinder und Jugendliche. Einige Kids werden in andere Gruppen kommen. Konzepte und Material müssen bearbeitet werden damit ab September wieder alles rund läuft. Und schließlich die Anmeldung und Vorbereitung zu unserem Schachtraining am letzten Wochenende der Schulferien.

Digitales

Unsere Homepage wurde bereits aktualisiert mit den neuen Links zu den Mannschaften der Saison 2026-27. Die Spielpläne für alle Ligen stehen bereits fest, die Aufstellungen folgen Anfang September. Das neue Wertungsportal ist ebenfalls eingebunden, die DWZ wurde bis zur alten 2110 angehoben, wie vorab schon berichtet.

Bei den Wettkämpfen gelten die FIDE-Regeln vom 01.01.2023 und die WTO (Württembergische Wettkampf- und Turnierordnung) mit Ergänzungen vom 28.06.2025. Die jeweils aktuelle Fassung findet ihr bei den Nützlichen Links.

Ehrenamt

Das Fundament, das man nicht kaufen kann: Fahrdienste, Betreuung, Organisation, Unterstützung. Der SV Nürtingen lebt von Menschen, die mehr tun, als man sieht.

Fazit

Sommerpause heißt nicht Stillstand, hinter den Kulissen wird gearbeitet. Vieles passiert leise, aber mit großer Wirkung!

Nürtinger U16 Mädels erneut baden-württembergische Meisterinnen

Mit großen Zielen waren unsere Mädels am ersten Juli-Wochenende nach Karlsruhe gefahren, um die baden-württembergischen Mädchenmannschaftsmeisterschaften zu spielen. Als Ziel war die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft klar ins Auge gefasst, dafür musste es einer der ersten drei Plätze werden.

Unser Team, das waren Enya Wang (unsere Stamm-Gastspielerin aus Schönaich), Finnja Gold, Anhelina Stepanova sowie Leona und Alina Lohmüller.

Die Anmeldungen liefen leider schleppend, einige Vereine waren von der Organisation als dreitägiges Turnier etwas überrascht, so dass sich am Ende nur drei Teams einfanden, etwas enttäuschend nach den sieben Mannschaften letztes Jahr, die Qualifikation war aber damit also schon in der Tasche. Wir zogen daher unser Ziel nach, wir wollten nach 2024 erneut ganz oben auf dem Treppchen stehen.

In der hervorragend von den Badenern (hauptsächlich KSF, danke hier vor allem an Kristin und Jasmin) organisierten Veranstaltung spielten wir dann ein Einzelspielerturnier gegen die jeweiligen Spielerinnen der anderen Teams und Summation der Brettpunkte für das Mannschaftsergebnis.

Das Turnier startete gleich mal mit einer Hiobsbotschaft: Alina war zwar mit angereist, war aber angeschlagen. Wir hofften auf Besserung, aber ein Einsatz war bis zum Schluss nicht möglich, so dass wir keinerlei Rotation durchführen konnten, es mussten sich also alle durchbeißen.

Die erste (Abend-)Runde startete um 18.00 Uhr, Anhelina konnte einen schönen Sieg im Turmendspiel gegen eine stärkere Gegnerin erzielen, Enya gewann klar, Leona verlor. Und Finnja? Sie stand lange gut, teilweise deutlich besser. Aber der ungewohnte Zeitmodus machte sich bemerkbar, Finnja wollte nach 22.00 Uhr die mittlerweile gewonnene Stellung noch nicht ins Remis geben (Antrag auf Inkrement-Umstellung ist laut Regel ein Remisgebot), und dann fiel mit dem Antrag die Zeit und die Partie war sogar verloren.

In der darauffolgenden Nacht hatten wir dann leider auch wenig Schlaf, es gab einige Störenfriede in der Jugendherberge, so dass man am Morgen in ziemlich müde Gesichter schauen musste.

In Runde 2 gewannen dann Enya und Finnja sicher, Leona ließ sich nach einer sehr starken Partie im ausgeglichenen Endspiel eine Figur entführen und musste aufgeben, ähnlich ging es Anhelina, bei ihr hatte sich nach einem ungenauen Springerzug aus dem Nichts ein Mattangriff für die Gegnerin ergeben, der entscheidend Material kostete.

Damit hatten wir nach Runde 2 bereits 1,5 Punkte Rückstand, nach nur jeweils 50% in Runde 1 und 2. Runde 3 leitete dann die Wende ein:

Finnja und Enya gewannen weiterhin stabil ihre Partien, und auch Leona konnte hier einen Punkt beisteuern, Anhelina hatte leider noch einmal das Nachsehen. Aber da Freiburg-Zähringen, der bisherige Tabellenführer, eine schwache Runde spielte, waren wir punktgleich, maximale Spannung vor der finalen Runde.

Die Auslosung der Runde 4 spielte uns dann eigentlich voll in die Karten. Alle 4 Mädels bekamen Gegnerinnen mit geringerer DWZ, wir mussten „nur“ durchgewinnen, wir wissen alle, wie schwer das werden kann.
Leona bekam noch kurzfristig 15 Minuten vor Rundenstart mit der Unterstützung von Enya und Finnja eine neue Eröffnungsvariante gezeigt, die dann 1:1 auch so aufs Brett kam, die Folge war ein schneller Sieg. Immer schön, wenn eine Vorbereitung auch mal so richtig klappt.

Auch Anhelina konnte schnell einen Sieg besteuern, auch hier wurde überzeugend gewonnen. Damit brauchten wir bei Finnja und Enya noch einen Punkt, aber der musste dann schwer erarbeitet werden.
Zuerst remisierte Finnja in einem Schwerfigurenendspiel, im Spiel war die Stellung zu schnell verflacht und einmal musste man auch kurz die Daumen drücken. Bei Enya sah es leider nicht besser aus, sie kam in einem Springer gegen Läuferendspiel unter Druck und musste einen Bauern aufgeben. Aber die verbleibende Stellung mit nur noch einem Bauern auf dem Brett war schwer auf Sieg zu spielen, vor allem in hochgradiger Zeitnot der Gegnerin (Auch hier wäre die Inkrement-Umstellung ein Remisgebot). Am Ende wurde der letzte Bauer geschlagen, das Remis war unter Dach und Fach, und die Mädels krönten sich erneut zur baden-württembergischen Mannschaftsmeisterschaft!

Gratulation auch an Freiburg-Zähringen, die uns einiges abverlangt haben. Dritter wurde Murrhardt.

Ganz herzliche Glückwünsche sowohl aus Vorstand wie auch von vielen Vereinsmitgliedern! Ihr habt das klasse gemacht!

Für uns geht es dann zwischen Weihnachten und Neujahr auf die deutsche Meisterschaft, dieses Jahr sind wir in Breisach, ungewohnt nah nach Rotenburg/Wümme (2025) und Neumünster (2024).  (SG)

Vereinsjugend-Meister 2026 Friedrich Seischab

Während ein Mädchenteam am ersten Juli-Wochenende zu einem externen Turnier fuhr, wurde am 4. Juli im Salemer Hof die Vereinsjugend-Meisterschaft ausgetragen. Um dieses Turnier in der zu Ende gehenden Saison 2025-26 zu spielen, war das Terminzugeständnis notwendig, nach den Sommerferien beginnt ja bereits die neue Wettkampfperiode. 13 Teilnehmende hatten sich für den Samstag angemeldet. Sechs ältere Jugendliche der Jahrgänge 2009-2011 spielten in der Gruppe A, sieben Teilnehmende umfasste die Gruppe B mit den Jahrgängen 2014-2016, in der sich auch ein Mädchen, Jahrgang 2017 traute. Respekt!

Gruppe A – Jahrgänge 2009-2011

Foto: Klaus Templin

Der noch 15-jährige Friedrich Seibschab, der auch den Erwachsenen schon Paroli bietet, zog in der Gruppe der Älteren einsam seine Kreise. Mit 5 Punkten aus 5 Partien sicherte er sich den Titel als Vereinsjugend-Meister der Saison 2025-26. James Wang zeigte ein überzeugendes Spiel und musste sich nur dem Turniergewinner beugen. Mit 4 aus 5 erzielte er den zweiten Rang. Den 3. Platz mit 3 Punkten nimmt Ravichandra Anantatmakula ein, der sich ebenso wie James und dem Sieger auf einen Pokal freuen darf. Auf den weiteren Plätzen folgen Fabian Tapp (1,5), vor Tom-Luca Aurich (1) und Kaan Aslan (0,5). Diese drei erhalten für ihre Teilnahme je eine Urkunde.

Gruppe B – Jahrgänge 2014-2017

Foto: Klaus Templin

In der Gruppe B war der Kampf um die Spitze spannender. Kyryl Kuksa, Till Hofmeister und Sharvesh Rajakumar waren fast gleich auf. Deshalb wurde noch eine 6. Runde angehängt. Danach ist Kyryl mit 5 Punkten und 20 Buchholzpunkten als Sieger der Gruppe B hervorgegangen, auch im direkten Vergleich gegen den Zweitplatzierten behielt er die Oberhand. Zweiter wurde Till, ebenfalls mit 5 Punkten und 16 Buchholzpunken. Den 3. Platz hat sich Sharvesh mit 4 Punkten erobert. Weiter folgen Rohan Anantatmakula mit 3 (19,5), Bastian Kutscher 3 (16,5), Hyazinth Höger 2 (19) und Kashvi Singh mit 2 (14). Die drei Erstgenannten erhalten einen Pokal, die anderen bekommen eine Urkunde.

Was sind Buchholzpunkte?

Die Buchholzwertung ist eine Feinwertung im Schach, die bei Punktgleichheit entscheidet. Dabei werden die Punkte der Gegner im Turnier addiert. Je höher die Summe der gegnerischen Punkte, desto höher die Buchholzwertung. Hat man also gegen stärkere Gegner gespielt fällt die Feinwertung höher aus.