Als vergangenen Sonntag die Nürtinger Tettnang im Salemer Hof nach langer Anfahrt begrüßen konnten war nicht abzusehen, dass neben der Landtagswahl auch auf dem Brett wahre Krimis anstehen sollten. Ungünstig dafür war natürlich, dass wir für die anstehende „Krimirunde“ auf unser Spitzenbrett Claudius Mehne und unseren Mannschaftsführer Stefan Auch verzichten mussten, allerdings waren mit Gerd Ahring und Friedrich Seischab schnell zwei Edeljoker gefunden worden.
Und der Krimi ließ sich dann auch gut an, denn unseren beiden Joker schafften es beide mit den weißen Steinen in der Eröffnung starken Druck auszuüben. Gerd konnte dabei seinen Gegner durch eine ungewöhnliche Variante auf vermintes Terrain locken und auch Friedrich ließ sich nicht lumpen und setze seinen Gegner durch ein starkes Bauernopfer für Entwicklung massiv unter Druck. Es ließ sich also gut an. Eine Gelegenheit, die Bernhard Weigand bereits nutzte, um die schwarzen Steine am Spitzenbrett in den sicheren Remishafen zu überführen.
Auch Sascha Mareck in unklarer und Klaus-Dieter Templin in ereignisloser Stellung sollten diesem Vorbild folgen, nachdem sich früh zeigte, dass Andreas Rohr sich in exzellenter Spiellaune zeigte. Mit kräftigen Zügen gelang es diesem im frühen Mittelspiel einen Zentralbauern zu erobern und mit diesem konsequent in ein Endspiel mit Mehrbauer und Läuferpaar abzuwickeln und dieses technisch sauber zu gewinnen.
Bis dahin , wie auch das Wetter an diesem Tag, ein sonniges Vergnügen für die Nürtinger. Leider aber auch der Höhepunkt, denn von nun an sollten die Tettnanger ihre Qualitäten zeigen.
Es zeigte sich, dass Gerds Vorteil nur optischer Natur war und der Gegner nach einem starken Defensivmanöver der Dame über genug Verteidigungsressourcen verfügte. Da doch die eine oder andere Bauernschwäche vorhanden war ein Umstand, der Gerd bewog ebenfalls die Remisnotbremse zu ziehen. Unglücklicherweise mussten wir da auch bereits den Ausgleich hinnehmen, da Michael Doll in unklarer Lage in horrender Zeitnot verkehrte. In einer seltenen Positionen, in der beide Parteien am selben Flügel einen Angriff durchführten konnten ,lag ihm seitens des Gegners ein Remisangebot vor. In Unkenntnis des Matchstandes beschloss er auf Sieg zu spielen und hatte leider dabei das schlechtere Ende für sich. Ausgleich, aber natürlich mangels Ansprechpartner aus mannschaftssportlicher Sicht ein suboptimale Angelegenheit.
Und auch in den restlichen beiden Partien standen die Nürtinger mit dem Rücken zur Wand.
Soroush Wadiei konnte die Lage mit Schwarz lange Zeit unklar mit beiderseitigen Chance gestalten,konnte aber einen entscheidenden Durchbruch am Damenflügel nicht verhindern, nachdem sein Gegner im zuvor die Figuren erfolgreich aus dem Zentrum vertrieben hatte. Friedrich hingegen hatte noch einen zweiten Bauern für Initiative geopfert, aber es gelang ihm nicht, gegen einen sich umsichtig verteidigenden Gegner entscheidend Linien zum schwarzen König zu öffnen.
Das resultierende Endspiel war mit zwei Minusbauern dann nicht mehr zu halten.
Schade,schade. Aber abgesehen davon, dass die Luft wohl auch nach dem verlorenen Meisterschaftkampf gegen Bebenhausen ein bisschen raus war, muss man zugeben, dass Tettnang an diesem Tage einfach die bessere Mannschaft war. (SM)
SV Nürtingen – SC Tettnang 3:5
Weigand – Längl 0,5:0,5, Mareck – Leser 0,5:0,5, Doll – Sterk 0:1, Templin – Heilinger 0,5:0,5, Wadiei – Kohn 0:1, Aring – Kaiser 0,5:0,5, Rohr – Gräber 1:0, Seischab – Schmid 0:1